Mit großen Schritten nach vorn beging der Hayek-Club Karlsruhe am Dienstag, den 17.12.2013 die Gründungsveranstaltung “Hat Freiheit eine Chance? Deutschland und der Kollektivismus”. Als Referenten sind Professor Dr. Gerd Habermann von der Universität Potsdam und der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft e.V. und Professor Dr. Roland Vaubel von der Universität Mannheim gekommen. Zu diesem Ereignis sind 26 interessierte Zuhörer quer durch alle Altersschichten gekommen.

Die Veranstaltung begann mit einer Einleitung durch den Karlsruher Hayek-Club-Sprecher Timotheus Stark. Der Hayek-Club Karlsruhe wird sich mit einer Triade aus Veranstaltungen mit Referenten, einer anschließenden Diskussion und mit organisierten Debatten begnügen. Als ein Beispiel für eine organisierte Debatte wurde eine Diskussion des Für und Wider einer Drogenlegalisierung der Maastricht Students for Liberty genannt, was uns auch zum nächsten Punkt brachte. Die European Students for Liberty sind neben der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft eine Dachorganisation des Hayek-Club Karlsruhe und bieten neben Buchprojekten, wie dem am Abend verteilten “Why Liberty?“, eine Vernetzung von freiheitlichen Studenten aus ganz Europa. Beispiele waren letzte regionale Konferenzen in Belgrad mit über 180 Besuchern und in Maastricht mit 90 Besuchern, aber auch eine Konferenz der African Students for Liberty in Lagos, Nigeria. Die nächste gesamteuropäische Konferenz wird in Berlin am 14-16 März 2014 zum Berliner Mauerfall-Jubiläum mit erwarteten 500 Besuchern stattfinden.

20131217_191706Professor Dr. Gerd Habermann führte uns nun von Europa wieder in unseren Kreis in Karlsruhe und sprach über den Sinn und Zweck der inzwischen 50 regionalen Hayek-Clubs in Deutschland. Aufbauend auf die Social-Change-Theorie Friedrich August von Hayeks sollen die Hayek-Clubs als Graswurzelbewegung wirken. Sie sollen ideel, nicht politisch sein und den freiheitlichen Geist zurück in die deutsche Gesellschaft bringen. Einen Geist für individuelle Freiheit und Verantwortung, einen Geist für Toleranz

und Kritik. Sie sollen eine Gemeinschaft bilden, die zum Austausch und zu gemeinsamen Veranstaltungen einlädt. Darüber hinaus wurde auf die Hayek-Tage in Freiburg am 21.-22.05.2014 hingewiesen und jedem jüngeren Studenten eine Bewerbung zur Woche der Freiheit am 3.-9.08.2014 empfohlen.

Professor Dr. Roland Vaubel wollte uns daraufhin mit seinem Vortrag “Weshalb hat es die Freiheit in Deutschland so schwer?” für den schwierigen Kampf für mehr

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Freiheit in Deutschland sensibilisieren. So haben wir in Deutschland immer eine große Versuchung die Freiheit auf Kosten der Sicherheit zu opfern, was sich in der europäischen Mittellage begründen lässt, die Deutschland leicht angreifbar für seine Nachbarn machte.

Nicht begründet sei dies in der politischen Fragmentierung und des Wettbewerbs der Herrscher, sie hat den Deutschen immer die Möglichkeit gelassen von einem repressiven Herrscher zu einem gutmütigeren Herrscher zu wechseln. Diese politische Fragmentierung ist heutzutage auch in der Schweiz noch sehr erfolgreich.

Was hat Deutschland also stark gemacht? Das deutsche Wirtschaftswunder wurde maßgeblich von den Amerikanern initiiert, die mit Ludwig Erhardt einen geeigneten Politiker fanden. Erhardt wollte die Wirtschaft liberalisieren und Abstand nehmen zu Kollektivismus, Staatskapitalismus und Wirtschaftskonglomeraten. Er stand wie auch Hayek der Freiburger Schule des Ordoliberalismus somit sehr nahe. Die Amerikaner wollten Deutschland aufhelfen zu einem Bollwerk gegen den Sowjetkommunismus zu werden und General Clay (ab 1947 Chef der amerikanischen Militärregierung) sah die USA in einem “Wettlauf um die Gunst der Deutschen mit Hilfe des Lebensstandards”. Dieses “amerikanische Erbe”, das Deutschland damals empfing, bestand wesentlich aus den Komponenten: Dekartellierung, Gewerbefreiheit, keine Verstaatlichungen, keine “Mitbestimmung” in den Unternehmen, stabiles Geld und Unabhängigkeit der Zentralbank, Dezentralisierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik, Liberalisierung des Außenhandels. Professor Vaubel analysierte nun alle Punkte mit beeindruckender Sorgfalt und kam zu dem Schluss, dass einzig in der Politik der Verstaatlichung und des Außenhandels das amerikanische Erbe erhalten wurde.

Das Verhältnis der Deutschen zum amerikanischen Modell nahm seit dem Ende der Sowjetunion immer mehr an Gemeinsamkeiten ab und wandte sich dem Französischen zu. Auch auf europäischer Ebene folgten sie ihrem atavistischen Instinkt, dass die Kleinstaaterei überwinden werden müsse und ließen einer wachsenden Zentralisierung ihren Lauf.

Nach den beiden Vorträgen setzte sich dann eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum in Gang. Besprochen wurde der Mindestlohn, die Bankenkrise oder auch die

Bildungspolitik. Unter dem Motto der Veranstaltung “Hat Freiheit eine Chance?” redeten wir auch über alternative Modelle wir der genossenschaftlichen Bewegung, die in Deutschland eine rühmliche Geschichte vorzuweisen hat und erst von Bismarck gestoppt wurde.

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Abschließend verteilte Professor Habermann auch noch einige Bücher gestiftet von der Hayek-Gesellschaft an das Publikum und die überwiegend Jüngeren gingen mit Professor Habermann noch in das Badisch Brauhaus für einen genüsslichen Abgang dieses fantastischen Abends.